Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg
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Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg
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Und wenn er in dieser Zeit bereute, habe der Herr ihm vergeben.

"Deshalb quäle dich nicht zu Tode, denn du kennst das Geheimnis der Wege Gottes nicht."
Erstaunliche Worte, die uns sagen, dass sich Menschen tatsächlich selbst in einer Art vor­letztem Todeskampf, in Angst und Prüfung ganz unterschiedlich verhalten. Manche werden von dieser Angst gelähmt – darum ist Vorbereitung so wichtig.

Manche schreien weiter, verfluchen wie der unverständige Schächer am Kreuz, der sterbend in seinem Schmerz alles um sich herum verflucht. Er litt genauso wie der verständige Schächer. Und manche bereuen. Und nur der Herr ist in der Lage zu verstehen, wer im letzten Augenblick seines Lebens fähig ist, Ihn in sein Leben aufzunehmen. Und dieser Mensch wird angenommen und befreit. Und wer nicht – das ist immer eine Entscheidung. Darum sind diese Ereignisse der weltweiten Sintflut und der Arche Noah wirklich eine Warnung für uns alle und eine Erinnerung.

Es gibt so einen guten Witz, dass die Titanic von Profis gebaut wurde, die Arche Noah aber von einem Dilettanten. Aber das war mit dem Segen Gottes. Und was überlebt hat und was Sinn bekommen hat, das wissen wir selbst.

Darum gebe Gott auch uns, seinen Willen zu suchen und nicht zu erlahmen. Uns ist oft nicht einmal selbst klar, warum wir dieses oder jenes tun.Wir tun es, weil es uns von der Kirche überliefert und hinterlassen wurde. Aber unsere Seele wird verstehen und fühlen, wozu es nötig ist.

Man muss sich manchmal selbst brechen, wir sündigen Menschen, für sich selbst sterben, der daran gewöhnt ist, zu sündigen und für die Sünde zu leben.

Und das wird die wichtigste und bedeutsamste Erfahrung im Leben eines jeden von uns sein

Darum ist die Erfahrung Noahs, der Arche und seiner Familie wirklich eine Lektion für uns alle in unserer heutigen Zeit.
Gott behüte euch, liebe Brüder Gottes, liebe Brüder und Schwestern, Gottes Segen für uns alle.
Und lasst uns jene Wachsamkeit, Aufmerksamkeit, Ernsthaftigkeit und Sammlung erlernen, die unser Urvater Noah hatte.
Gott behüte
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Проповедь о. Сергия о Ноевом ковчеге | Литургия ПД | 11.3.26

#проповеди@hamburghram
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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Einen gesegneten Sonntag, liebe Brüder und Schwestern.
An diesem Tag, an dem wir die zweite Woche der Großen Fastenzeit abschließen, spüren wir wahrscheinlich alle unsere eigene „Lähmung“ – unsere scheinbare Unfähigkeit, diese Zeit gesammelt, tief und ernsthaft zu durchleben.
Wenn wir uns in der ersten Woche noch halbwegs zusammenreißen konnten, so fühlen wir uns gegen Ende der zweiten Woche tatsächlich völlig erschöpft – körperlich, aber vor allem innerlich, geistlich erschlafft.

Und an diesem Sonntag hören wir im Evangelium, wie der Herr einen gelähmten Menschen heilt.
Das steht natürlich in tiefem Einklang mit unserem eigenen Zustand, den wir alle mehr oder weniger erleben.
Wir hören, dass der Herr nach seinem innigen Gebet in ein Haus kam, und dort versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn.
Menschen, die ihn suchten, die ihn sehen und hören wollten.
Sie füllten die ganze Umgebung, sodass man sich kaum bewegen, geschweige denn zum Herrn durchdringen oder ihn etwas fragen konnte.

Und das heutige Evangelium berichtet uns von vier Freunden, die von einem einzigen Gedanken bewegt waren – ihrem kranken Freund zu helfen.
Das sagt übrigens schon sehr viel über diesen Gelähmten selbst.
Denn oft ist es so: Wenn einen Menschen ein schweres Unglück trifft, nehmen anfangs alle Anteil, seufzen, rufen an.
Und sie rufen auf eine Weise an, dass man oft den Eindruck hat, man müsse nun sie trösten.
Alle fragen: „Wie kann so etwas sein? Wo ist da die Gerechtigkeit?“ – und nach und nach ziehen sich alle zurück.
Am Ende bleibt man meistens allein.
Nur die nächsten Menschen – Mutter, Vater, Bruder, Schwester – bleiben noch mit einem verbunden.
Aber im Allgemeinen gerät man langsam in Vergessenheit.

Dass diese vier Freunde ihrem fünften Gefährten treu geblieben sind, sagt sehr viel über ihn als Menschen.
Über einen Menschen, der ein guter Freund war, ein wunderbarer Gefährte, selbstlos, der in der Freundschaft sich selbst vergisst.
Und all das kehrt nun zu ihm zurück – in der dankbaren Liebe seiner Freunde.
Wir sehen, wie entschlossen sie sind: Sie erkennen, dass es völlig unmöglich ist, sich durch die Menge zum Herrn durchzudrängen.
Sie schätzen die Lage ein und verstehen: Die einzige Möglichkeit, ihr Ziel zu erreichen, ist es, das Dach oder den Vorbau über dem Herrn abzudecken.

Aus dem Evangelium nach Markus geht nicht ganz eindeutig hervor, ob Christus direkt im Haus war – dann hätten sie die Lehmdecke, das eigentliche Dach, teilweise abnehmen müssen, was zwar möglich, aber sehr gewagt gewesen wäre.
Oder ob er unter einem Vordach war, das draußen vor dem Haus Schatten spendete.
In dieser heißen, nahöstlichen Sonne hatte nahezu jedes Haus solch einen Sonnenschutz.
Auch diesen zu entfernen war nicht einfach, aber doch etwas leichter.
Sie stiegen also hinauf – sowohl auf dieses Vordach als auch auf das eigentliche Dach, auf denen man in jenen Ländern oft nachts schlief.
Dorthin führte gewöhnlich eine Treppe, sodass man Zugang hatte.
Und nachdem sie die Abdeckung geöffnet hatten, ließen sie ihren Freund direkt zu den Füßen des Erlösers hinab.

Hier ist für uns vor allem das Verhalten des Herrn selbst bemerkenswert.
Darauf hat einmal heilig-menschlich tief der heilige Lukas, Erzbischof von der Krim, in einer seiner Predigten hingewiesen, den wir sehr verehren als heiligen Arzt.
Er sagte, dass beim Abdecken eines solchen Daches natürlich alles nach unten fällt – auch dem Herrn selbst sozusagen „in den Kragen“: Baumaterial, Staub, alles Mögliche.
Wenn wir uns selbst an die Stelle derer setzen, auf die von oben etwas herunterrieselt, dann würden wir in der Regel anfangen, uns zu empören, uns zu beschweren, uns abzustauben und mit unserer ganzen Miene zu zeigen, wie sehr wir empört und erschüttert sind und wie unzulässig so etwas sei.
Der Herr aber nimmt das alles gar nicht wahr – er sieht nur eines: den Glauben dieser vier Freunde.
Und er lobt sie.
Im heutigen Evangelium hören wir die wunderbaren Worte, die der Evangelist Markus überliefert: „Als Jesus ihren Glauben sah…“ – denn der Gelähmte selbst konnte nichts sagen –, da heilte er diesen kranken Menschen.

Dem geht noch ein sehr interessantes Gespräch voraus, das für uns wichtig ist.
Wir sehen, dass der Herr zu diesem Menschen spricht: „Dir sind deine Sünden vergeben.“
Da entsteht gewissermaßen eine Pause.
Vielleicht erwartete der Gelähmte, der sich nicht bewegen, aber sehr wohl hören konnte, etwas „Größeres“ als nur die Vergebung seiner Sünden.
Denn zunächst bleibt er ja weiter liegen.

Die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer aber beginnen, sich zu ärgern, ja regelrecht empört zu sein.
Sie sagen: „Was ist das? Das ist Gotteslästerung!“
Warum reagieren sie so?
Weil nach ihrem Verständnis – und darin haben sie im Grundsatz recht – nur Gott allein Sünden vergeben kann und niemand sonst.
Das heißt, dieser Mensch (Jesus) nimmt sich eigenmächtig ein Recht heraus, das nur Gott zusteht.
Er erscheint ihnen als Hochstapler, als einer, der das Gesetz entweiht und somit des Todes schuldig ist.
Denn jeder, der sich Gott entgegenstellt, ist nach dem alten, unerbittlichen Gesetz des Todes würdig.

Sie empören sich noch mehr und denken sinngemäß: „Er hat es gesagt – und was ist nun anders? Wie kann man überprüfen, ob die Sünden vergeben sind oder nicht? Wie kann man das beurteilen? Wie soll er beweisen, dass das wahr ist und nicht nur Worte?“

Der Herr aber, ohne sie im eigentlichen Sinn „fangen“ zu wollen, belehrt und weist alle Zuhörer.
Er stellt gewissermaßen die Frage: „Was ist leichter zu sagen: ‚Dir sind deine Sünden vergeben‘ oder: ‚Steh auf, nimm dein Bett und geh‘?“
Für euch ist das Wort: „Steh auf, nimm dein Bett“ ein unglaubliches Wunder.
Aber das noch größere, unfaßbare Wunder ist die Vergebung der Sünden.
Das ist nicht so einfach.
Dazu braucht man nicht nur Macht, sondern das Recht der Liebe.
Und dieses Recht wird nur durch das Blut Christi erworben.
Für dieses Recht, damit wir es erfahren und erleben können, vergießt der Herr sein Blut am Kreuz.

So könnte man seine Worte zusammenfassen: „Was ist leichter? Nur ein Wort zu sagen – oder am Kreuz Blut zu vergießen?“
Das ist gleichwertig mit dem, was seine Worte bedeuten.
Und danach sagt er: „Damit ihr aber wisst und im Glauben gestärkt werdet, dass der Menschensohn“ – so nennt er sich als den Messias, wie ihn viele Propheten nennen – „Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben…“
Dann spricht er zu dem Gelähmten: „Ich sage dir: Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus.“
Und er stand sogleich auf und ging.

Damit geraten jene, die ihn der Gotteslästerung beschuldigen wollten, selbst in eine schwierige Lage.
Denn nur Gott kann Krankheiten heilen.
Und damals bestand die weitverbreitete Vorstellung eines Zusammenhangs: Krankheit ist Folge der Sünde, und Sünden kann nur Gott vergeben.
Wenn also die Krankheit überwunden ist, sind die Sünden vergeben.
Wenn die Sünden vergeben sind, dann ist der, der das tut, Gott.
So verfangen sie sich selbst in dem Netz, das sie dem Erlöser legen wollten.

Damit sagt uns der Herr auch heute etwas sehr Wichtiges: Er kommt in unsere Welt, um uns die Vergebung von der Last der Sünde zu schenken, der wir aus eigener Kraft nicht entkommen können.
Nur er hat diese Vollmacht.
Und das ist nicht einfach die Macht eines Gottes, eines Königs, eines Herrschers, sondern die Vollmacht eines Vaters.
Heute sehen wir, wie er sich an diesen Menschen wendet: „Sei getrost, mein Kind.“
Er nennt ihn „Kind“, er spricht ihn mit väterlicher Zärtlichkeit an: „Dir sind deine Sünden vergeben.“
Und diese Worte gelten heute uns allen.
Der Herr sagt uns mit väterlicher Liebe, dass er möchte, dass wir alle diese Freude der Sündenvergebung erfahren.
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Möge Gott geben, dass wir unsere eigene „Lähmung“, unsere menschliche Trägheit überwinden, dass wir uns um des Herrn willen bemühen.
Möge der Herr uns durch seine Gnade Kraft für den weiteren Weg der Fastenzeit schenken, damit wir uns nicht unserer eigenen Schwäche ausliefern, damit uns nicht die Hände sinken, sondern unser Geist brenne und wir den Wunsch haben, uns um des Herrn willen zu mühen.

Gott behüte euch, liebe Brüder und Schwestern.
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Проповедь о. Сергия | Поздняя Литургия | 8.3.26

#проповеди@hamburghram
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Liebe Brüder und Schwestern,
wir haben heute diesen Tag des Bußgangs, von dem wir eben gelesen haben.

Wir verneigen uns, wir machen Kniebeugen, wir hören die Worte der Reue. Aber eine ehrliche Frage stellt sich – zuerst für mich selbst: Meine ich das wirklich? Meine ich das wirklich ernst?

Der Bußgang ruft meiner Seele zu: „Meine Seele, steh auf – warum schläfst du?“

Äußerlich schlafen wir natürlich nicht, wir können auch nicht tagelang im Bett liegen; unsere Arbeit und unsere Verpflichtungen erlauben uns das nicht. Aber innerlich wiegen wir unsere Seele oft in einem Bett des Schlafes.

Wir hören die Worte über Adam, über David, über die Sünden in der Heiligen Schrift und denken: Das betrifft zunächst die anderen.

In Wirklichkeit aber betrifft alles, was wir gelesen haben, zuallererst mich selbst. Ich bin gemeint.

Darum ruft die Kirche mich nicht zur Verzweiflung, sondern zur Erwachung.

Noch ist die Zeit der Umkehr. Noch ist die Tür der Barmherzigkeit Gottes geöffnet. Noch wartet Gott auf uns.

Vielen Dank, liebe Brüder und Schwestern, für eure Gebete. Das Bußgang-Gebet ist uns gegeben wie ein Blick aus den Augen Gottes.

Jetzt haben wir die Möglichkeit, alles noch ein wenig in unserem Herzen ruhen zu lassen und nicht gleich in die Welt hinauszulaufen, sondern hier zu bleiben und über den Weg Gottes nachzudenken, wie er uns im Evangelium vorgetragen wird. Deshalb lade ich euch alle ein, noch zu bleiben. Gerade in diesen Tagen tritt das Evangelium sehr deutlich hervor. Wir befinden uns in der Fastenzeit und stehen nun an dem Punkt, wo die heilige Fastenzeit im eigentlichen Sinn beginnt. Heute werden wir vom Einzug Jesu in Jerusalem lesen, kurz bevor sein Leiden beginnt. Darum passt es sehr gut, darüber zu reflektieren, wo dieser Weg begonnen hat und wohin er geführt hat.

Predigt nach der Lesung des Busskanones des Andreas von Kreta
12.03.26
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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Jetzt, liebe Brüder und Schwestern, haben wir diese wundersame Erzählung über die Leiden Christi gehört.
Wundersam – weil wieder vor unseren Augen steht, wie und was der Herr erlitten hat.

Wir haben mit euch das Evangelium gehört, all diesen Schrecken des Verrats, des Spottes, der menschlichen Niedertracht, wozu der Mensch fähig ist – bis hin dazu, seinen eigenen Gott zu töten.
Aber zur selben Zeit staunen wir – wie wir es auch in dem Gebet, das wir eben gehört haben, vernommen haben – über die Langmut Gottes, über seine Menschenliebe.

Die Erde ist nicht verschwunden, nichts ist verbrannt.
Nein, der Herr hat vielen, vielen Generationen das Leben gegeben und gibt es weiterhin all denen, die ihn nicht kennen, die ihn vielleicht sogar wieder lästern, aber sich von seinen Gütern nähren, unter seinem Himmel gehen, auf seiner Erde stehen, seine Luft einatmen, von ihm Kinder geschenkt bekommen.

Und so, liebe Brüder und Schwestern, ist uns Menschen – dem sogenannten neuen Israel, wie es heißt, dem auserwählten Volk, und zwar nicht wegen irgendwelcher besonderen Eigenschaften von uns, sondern aus der großen Barmherzigkeit Gottes – diese Möglichkeit gegeben worden: in das Geheimnis einzudringen, Gott zu erkennen, ihn zu sehen, zu wissen, wer er ist, und ihn hier, so weit es uns möglich ist, zu preisen, zu verherrlichen, seiner Leiden zu gedenken und ihn nicht zu vergessen.

Wir sehen, dass Christen – wenn man sozusagen einen Schnitt durch die Menschheit macht – gar nicht so viele sind.
Es sind nicht so viele Menschen, die Gott kennen und an ihn denken.

Aber gerade dieser kleine Sauerteig, von dem der Herr spricht, gerade er ist es, um dessentwillen das Universum besteht.
Gerade um dieser kleinen Schar von Menschen willen existieren Planeten, Metagalaxien, alles wird durch die weise Weisheit Gottes erhalten – nämlich um der Christen willen.

Und der Herr weist auch darauf hin: Wenn unter uns, wenn in uns die Liebe versiegt, sogar unter Christen, dann wird dieses Universum und diese Erde zusammengerollt werden wie eine Schriftrolle, wie wir in der Apokalypse lesen.
Sie wird es nicht mehr geben, sie wird nicht mehr gebraucht werden, es wird eine neue geben.

Manchmal beklagen wir uns darüber, dass die Welt irgendwohin läuft, irgendwohin hinabgleitet, dass irgendwo etwas Schlimmes geschieht.
Aber sehr oft können wir das verhindern, solange unter uns oder in uns die Liebe vorhanden ist.

Was ist Liebe?
Liebe – wie ich heute schon in einer anderen Predigt gesagt habe – sind diese Worte: Liebe, Geduld und vor allem für uns dieses geheimnisvolle Demut.

Wir gebrauchen sie sehr schnell, ja?
Wir können sofort sagen, was ein Christ braucht, was ein Christ haben soll: Liebe, Geduld und Demut.
Aber was das ist und wie man sich dem nähert, ist uns manchmal gar nicht klar.

Der Apostel Paulus erklärt, was Liebe ist.
Liebe – das ist ein Zustand, in dem du lange ertragen kannst, in dem du nicht das Deine suchst, in dem du nicht neidisch bist, in dem du vergibst, obwohl du die Fehler des anderen kennst, und so weiter.

Wenn wir das zusammenfassen, können wir sagen: So handelt ein guter Mensch.
Der Herr führt uns zu nichts anderem als zu diesem guten Menschen.

Bei vielen kann die Frage entstehen: Warum soll ich so ein guter Mensch sein?
Der Herr hat uns dieses Geheimnis offenbart: Damit wir bei ihm sein können.

Genau dafür, um bei ihm zu sein.
Wenn dir das nicht reicht – dann sei, wer du sein willst.
Aber wenn du dich wenigstens ein wenig diesem Maßstab annähern willst – alleine ist das sehr schwer, aber mit Gottes Hilfe ist es möglich.

Manchmal müssen 50 Jahre vergehen, bis der Mensch lernt, nichts Fremdes anzurühren.
Und im einundfünfzigsten Jahr merkt er plötzlich, dass diese Leidenschaft der Habgier, des Diebstahls in ihm verschwunden ist.
Er kann aufatmen.

So ist es mit jeder Leidenschaft: Zorn, Reizbarkeit, Neid und ähnlichem.
Wenn in uns der Wunsch entsteht, gut zu sein, und wir uns bemühen, und auf diesem Weg scheitern wir manchmal, wir fallen.
Heute haben wir auch vom Petrus gehört – auch er ist gefallen.
Nach der Überlieferung haben sich von seinen Tränen Furchen in seinem Gesicht gebildet im Laufe seines ganzen Lebens.
Er hat sich immer daran erinnert, aber er konnte in sich die Kraft finden, Christus anzuschauen und ihn um Vergebung zu bitten.

Und der Herr hat ihm vergeben.
Er hat ihn wieder aufgerichtet und in den apostolischen Rang erhoben.

Gott gebe auch uns, liebe Brüder und Schwestern, dieses große Ziel zu erkennen: gute Menschen zu werden – jeder in seinem Rahmen.
Und zu erkennen, dass wir zwar denken, wir seien so klein, unbedeutend, winzige Sandkörner in dieser Welt, dass aber in Wirklichkeit – ja, wir sind wenige –, doch von uns vieles abhängt.

Von uns hängt überhaupt der Anfang und das Ende von allem ab – das Ende dieser Welt.
Solange in uns diese Liebe sein wird, wie wir gesagt haben, ist alles noch tragbar, alles ist möglich.

Damit geben wir dieser Erde die Möglichkeit, weiter zu existieren, damit nach Gottes Willen die ganze Fülle der Menschen eintreten kann, die potentiell gute Menschen werden könnten.

Deshalb lohnt es sich im Fasten, darüber nachzudenken, über dieses Ziel, das der Herr uns anbietet.
Wen willst du werden?
Willst du gut sein? – Dann folge mir.
Willst du nicht gut sein? – Dann bleib, lebe, wie es dir gefällt, während du alle Güter des Herrn genießt.

Er ist barmherzig und menschenliebend – aber nur für 100, 150 Jahre.
Danach ist es vorbei.

Der Herr schenkt uns diese große Freude, niemals in seinem Zorn zu sein.
Dafür müssen wir, sündige Menschen, uns ein wenig anstrengen.
Aber der Herr ist – wie gesagt – menschenliebend; daher kann dieses große Wunder geschehen, dass aus uns, so wie wir sind, vielleicht irgendwann wirklich ein guter Mensch wird.

Gott rette euch (Spasi Christos)
3
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Проповедь о. Дионисия на акафисте Страстям Христовым
#проповеди@hamburghram
Liebe Brüder und Schwestern,
heute feiern wir ein besonderes Gottesdienst‑Stehen zu Ehren der heiligen Maria von Ägypten. Viele von euch waren schon bei solchen Gottesdiensten. Gerade deshalb vollzieht sich auch unser geistlicher Einsatz: Viele von uns wissen im Voraus, wie schwer es sein wird. Es ist mühsam, den eigenen Geist, der immer wieder in die Ferne abschweift, zur Buße zurückzuholen. Es ist anstrengend, mit schmerzenden Beinen oder Rücken aufrecht zu stehen und die Worte des Herrn zu hören. Und trotzdem gehen wir.
Manchmal hört man dann die Frage: Wozu das alles, wenn wir nicht unzerstreut beten können? Alles, was wir gelesen oder gehört haben, scheint vielleicht gar nicht in unser Herz gefallen zu sein. Vielleicht war unser Herz kalt oder ist hart geblieben. Es scheint, als sei nichts geschehen, als hätten wir keine Früchte gebracht. Wozu also das Ganze? „Iss, trink und sei fröhlich, Seele, wenigstens das bleibt dir“, sagt dann mancher innerlich.
In Wirklichkeit aber, liebe Brüder und Schwestern, ist es gerade wichtig, dass wir wissen, wie schwer es ist, und dennoch kommen. Ja, unser Herz schweift oft umher, es wandert in ferne Bereiche unseres Lebens, statt im Gebet zu verweilen. Ja, vielleicht ist unser Herz hart geblieben und nicht gereinigt worden. Aber trotzdem standen wir vor Gott. Der Mensch blieb stehen, beugte seine Knie, er versuchte zu beten. Die Heiligen sagen, dass Gott schon den Versuch als Gebet annimmt. So barmherzig und menschenliebend ist der Herr: Er kennt unsere Sündhaftigkeit und unser Fallen und schaut zugleich vor allem auf das Herz. Er blickt in die verborgenen Winkel des Herzens, die oft nicht einmal uns selbst bekannt sind. Gerade um dieser verborgenen Regungen willen ist er uns barmherzig und erhält unser Leben, auch wenn wir das selbst kaum ahnen. Es ist besser, dass wir die ganze Tiefe unserer Verderbnis nicht kennen, sondern vielmehr den Wunsch, Buße zu tun und uns zu bekehren.
Wir wissen aber auch: „Buße tun“ und „bereuen“ ist leicht gesagt – „Ich mache das nicht mehr, wie schlecht war mein Verhalten.“ Der Herr aber schenkt uns nicht nur Worte, sondern eine Zeit der Buße. Diese Zeit ist nichts anderes als eine echte Veränderung, eine Wendung des Lebens – so, wie es auf Deutsch heißt: Umkehr. Umkehr unseres Lebens. Das ist es, was der Herr von uns erwartet. Worte können wir viele machen, und viele haben wir schon gesprochen. Entscheidend ist die Tat, die wirkliche Veränderung unseres Lebens. Sie zeigt Gott die Echtheit unserer Reue.
Wenn es uns gelingt, in dieser oder in der kommenden Fastenzeit auch nur eine kleine Veränderung zu vollbringen, ist das schon viel. Und wenn es uns nicht gelingt, vieles zu ändern, wir aber wenigstens die Fastenzeit durchgehalten haben, indem wir Speisen gemieden haben, die jetzt nicht der Kirche gemäß sind, dann ist auch das vor Gott nicht gering.
Gott gebe, dass wir das Osterfest erleben. Dann werden wir die Worte des heiligen Johannes Chrysostomus hören: „Hast du gefastet oder nicht gefastet, komm in die Freude deines Herrn.“ Der Herr hat uns diese Möglichkeit geschenkt – wir wissen nicht einmal, warum wir ihrer würdig wurden. Gott schenke, dass er uns erlaubt, die großen Worte zu rufen: „Christus ist auferstanden.“
Heute haben wir im Gebet der heiligen Maria von Ägypten gedacht. Am Anfang ihres Lebens war sie, wie ihr wisst, ein sehr freier, in Wahrheit schwer sündiger Mensch. Weit müssen wir dafür nicht in die Geschichte zurückgehen: Wir befinden uns hier in Hamburg an einer Kreuzung der Verkehrswege, nicht weit von der Reeperbahn, wo es bis heute im 21. Jahrhundert den Beruf des Verkaufs des eigenen Körpers gibt. Maria war ein solches Mädchen, eine junge Frau, die schon von frühen Jahren an ihren Leib verkaufte – aber nicht aus Not, sondern aus eigener Lust. Die Leidenschaft hatte sie so sehr ergriffen, dass sie nicht, wie manche unglückliche Frauen, versuchte, sich mit dieser Tätigkeit eine Summe anzusparen, um ihr zu entkommen. Im Gegenteil: Dieses Leben gefiel ihr, sie fand darin Rausch und Vergnügen.
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Eines Tages schloss sie sich aus bloßer Gesellschaftslust einer Pilgergruppe nach Jerusalem an. Dort griff Gott in ihr Leben ein und hielt ihre Seele in ihrem Fall an. Sie konnte die Kirche der Auferstehung Christi in Jerusalem nicht betreten. Mehrfach versuchte sie hineinzugehen, aber eine unsichtbare Kraft hinderte sie daran. Die Gruppe, mit der sie gereist war, war schon weitergegangen, doch sie blieb draußen. In einem Moment schenkte Gott ihr ein geistliches Schauen: Für kurze Zeit sah sie sich selbst, fragte: „Wer bin ich? Was bin ich?“ Ihre Seele wurde erleuchtet, und vor ihr stand eine klare Wahl: in das alte, sündige Leben zurückzusinken oder sich davon abzuwenden.
Sie wählte die Abkehr. Gott gab ihr alle Möglichkeiten dafür. Sie ging in die Wüste und verbrachte dort den Rest ihres Lebens, wurde der großen Gaben Gottes würdig und empfing viele Wunder, bis hin zu dem, dass sie einen Fluss überqueren konnte, ohne ihre Füße zu benetzen. Sie erwarb sich ein wirklich heiliges Leben und wurde zur Gott wohlgefälligen Heiligen.
Warum liest die Kirche immer wieder ihr Leben? Man könnte denken, es habe viele ähnliche Menschen gegeben. Die Kirche tut es, liebe Brüder und Schwestern, um uns zu zeigen, wie tief ein Mensch fallen kann und wie groß zugleich die Barmherzigkeit Gottes ist. In der ganzen großen Bußordnung, im Großen Kanon des heiligen Andreas von Kreta, schlagen wir uns gleichsam an die Brust, rufen: „Herr, hilf und erbarme dich meiner, des Sünders. Ich Elender.“ All dies ist von einem gewissen geistlichen Selbstanklagen durchdrungen. Doch gleichzeitig zeigt die Kirche: Wenn du bereut hast, bleib nicht am Boden liegen. Bleib nicht lange in der bloßen Selbstgeißelung. Steh auf. Der Herr wartet auf dich, er gibt dir Kraft und hofft auf dich, dass du es schaffen wirst. Darum: Steh auf und geh.
Das Leben der heiligen Maria von Ägypten zeigt jedem von uns Sündern, wie tief ein Mensch fallen kann und wie groß doch Gottes Barmherzigkeit ist. Gott hat sich nicht endgültig über sie erzürnt, sondern bis zum letzten Augenblick gewartet. Ebenso lässt er seine Barmherzigkeit über jeden von uns walten.
Jedes Herantreten an den Kelch, liebe Brüder und Schwestern, wenn wir am Leben bleiben und das Blut unseres Herrn Jesus Christus empfangen dürfen, ist ein Zeichen dieses Erbarmens. Manchmal gehen wir nach der Kommunion weg und denken, in unserem Leben habe sich nichts geändert. In Wirklichkeit ist das aber der direkte Wille Gottes, ein Hinweis auf seine Barmherzigkeit: Er hat uns einen weiteren Tag geschenkt und uns zur Heiligkeit zugelassen – zu jener Heiligkeit, zu der die Sünderin Maria anfänglich nicht einmal die Kirche betreten konnte. Wir aber durften, nach Buße und Beichte, an den heiligen Kelch von Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus herantreten. Das ist ein großes Wunder und ein deutlicher Hinweis auf Gottes Erbarmen.
Gott gebe, dass wir den morgigen Tag erleben. Morgen, so Gott will, werden wir die Liturgie der vorgeweihten Gaben feiern. Wer die Möglichkeit hat, soll kommen. Das ist der Wille des Herrn. Wenn die Zeit es uns erlaubt und Gott die Umstände so fügt, dass wir kommen können, wollen wir diese Zeit zu hundert Prozent nutzen – nichts anderes, als das Reich Gottes zu erwerben. Und dieses Reich Gottes kann schon morgen für uns beginnen, hier in Hamburg im 21. Jahrhundert, um 9 Uhr morgens.
Amen. Danke
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Audio
Проповедь о. Дионисия на Мариином стоянии, 25.3.26
#проповеди@hamburghram
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Predigt am 3. Sonntag nach Ostern, der balsamtragenden Frauen und des gerechten Joseph:

Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Zum Fest, liebe Brüder und Schwestern, zum Fest der Treue des menschlichen Herzens. Ein Fest des Glaubens, ein Fest der Liebe. Ein Fest, das uns davon sagt, dass es in unserem Leben Dinge gibt, die kostbarer sind als das Leben selbst.

Und wir erinnern uns heute an die stille, unscheinbare, sanfte Tat der Frauen. An jene Frauen, die während seiner Verkündigung Begleiterinnen des Erlösers waren. Wir wissen, dass jede von ihnen ihm mit ihrem Besitz, mit ihrer Fähigkeit, mit dem, was sie konnten, diente. Wir sehen, dass es nicht einfach nur eine Frauengruppe war. Es waren sehr unterschiedliche Menschen, denn unter ihnen waren Schwerkranke, Gesunde, Arme, sehr Wohlhabende und Angesehene. Einsame Menschen, verheiratete Menschen. Das heißt, wir sehen, dass der Kreis der Myrrhenträgerinnen an sich sehr komplex, sehr verschieden war. Und vielleicht hätten sich diese Menschen im Leben außerhalb Christi nie begegnet. Es war ihnen möglich, sich zu begegnen und ihre wirkliche Gemeinschaft von Schwestern um Christus herum zu erfahren.

Und wir sehen, dass sie tief in der Nacht zum Grab des Herrn gehen. In ihrer Seele ist keinerlei Hoffnung. Kein Trost glimmt auf. Das Herz jeder einzelnen ist gebrochen. Und wir sehen, dass sie den natürlichen menschlichen Schrecken überwinden, denn ringsum war zu viel Gefahr. Ihre eigenen Landsleute hätten sie mit Steinen bewerfen können. Denn wer könnte früh am Morgen, welche Frauengruppe könnte irgendwo hingehen? Wahrscheinlich sind es Dirnen. Also kann man sie mit Steinen bewerfen. Sie hätten von den römischen Wachen verletzt oder getötet werden können, denen streng befohlen war, das Grab Christi zu bewachen und zu schützen. Und natürlich hätten diese sie vielleicht zuerst vertreiben wollen, aber solchen Leuten ist meist nichts zu verlieren, und bei völliger Straflosigkeit konnte alles Mögliche geschehen.

Sie verstanden all das und überwanden es, dazu noch die gewöhnliche Angst vor der Dunkelheit, die noch nicht gewichen war. Und die Einsamkeit ringsum. Und das Reich des Todes, dem sie allein entgegengingen. All das haben sie überwunden. Sie gehen, um dem Herrn ihre Treue zu zeigen.

Das sind erstaunliche Menschen. Sie konnten natürlich nichts tun, konnten die Kreuzigung nicht aufhalten, konnten nicht ändern, was vor ihren Augen geschah. Aber sie bemühten sich, wenigstens in der Nähe zu sein. Sie taten alles, damit der Herr, der am Kreuz starb, sie in der Ferne stehen sah. Damit er wenigstens spürte, dass er nicht allein starb, dass jemand weinte und mit ihm in seinem Leiden mitfühlte.

Sie sahen, wie der Herr ins Grab gelegt wurde, wie man ihn hastig vom Kreuz nahm und zum Grab brachte. Es lag nicht weit vom Ort der Hinrichtung. Aber sie standen von fern und prägten sich den Ort ein und merkten, dass alles schnell geschehen war und nicht mit großer Liebe, weil man alles noch vor Einbruch der Dunkelheit erledigen musste.

Und so, nachdem sie die ganze Nacht in Weinen und Trauer ihres liebenden Herzens verbracht hatten, gingen sie, sobald das Gesetz es erlaubte, mit den ersten Lichtstreifen der Sonne, noch nicht einmal mit Sonnenstrahlen, sondern als es im Osten nur zu dämmern begann. Dann durften sie losgehen, und sie gingen sofort.

Im Bewusstsein, dass wahrscheinlich nichts gelingen würde und all ihre Anstrengungen vergeblich sein würden, denn wer könnte ihnen zu dieser Stunde helfen, und überhaupt, wer könnte sie hören und den Stein vom Grabeingang wegwälzen? Ein riesiger Stein, den nicht einmal Männer einfach so heben können, sondern nur solche, die darin geübt sind.

Und so geschah diese Begegnung zwischen diesen Frauen und dem Herrn. Der Herr erwählt gerade sie.
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Heute könnten wir sagen, dass sie im theologischen Sinn natürlich nicht sehr gebildet waren. Viele Dinge bewahrten sie in ihrem Herzen, was der Herr sagte. Aber sie erinnerten sich überhaupt nicht daran, dass er wiederholt vom kommenden Auferstehen gesprochen hatte. Das heißt, sie waren vor allem liebende Jüngerinnen.

Und so besteht die Treue, das heutige Fest der Treue, nicht darin, an der Seite des Siegers zu stehen, sondern auch in der Niederlage neben ihm zu bleiben. In einer Situation, in der nur noch eines bleibt – wegzugehen und auseinanderzulaufen –, treu zu bleiben. Treu der eigenen Pflicht, der eigenen Wahl, treu bis zum Ende.

Und diese Erinnerung an das treue menschliche Herz feiern wir heute. Wir lernen, selbst so zu sein, dass die Treue des Herzens uns niemals verlässt. Dass wir nicht so sind, dass wir bereit sind, Christus zu folgen, wenn er mit großzügiger Hand viele Gaben über uns ausschüttet, und uns selbst zu verlassen, wenn es uns schwerfällt, wenn wir meinen, dass unser Gebet nicht erhört wird und uns jedenfalls nicht das gegeben wird, worum wir bitten. Treue besteht gerade darin, bis zum Ende treu zu bleiben. Wenn du schon auf nichts mehr hoffen kannst, wenn du weggehen willst. Hier und in diesem Moment und an diesem Punkt treu zu bleiben.

Und wir sehen, dass wir heute auch zwei andere treue Jünger gedenken, die ebenfalls nicht die Möglichkeit hatten, dem Herrn zu folgen, weil sie Angst hatten, weil sie ihren Platz, an dem sie dienten, nicht verlassen konnten. Zwei hochgestellte Männer des jüdischen Volkes, Mitglieder des Synedriums, faktisch also so etwas wie Parlamentsmitglieder. Und sie liebten den Herrn auf ihre Weise, bewahrten es in ihrem Herzen. Das waren sehr kluge, sehr gebildete Menschen. Bis heute ist uns der wunderbare Dialog des Nikodemus mit dem Herrn überliefert, den der Evangelist Johannes berichtet.

Und auch diese Jünger haben sich hier gezeigt, als alle Hoffnungen zusammenbrachen, als sie dem Verstorbenen dienen konnten und dadurch ihre Karriere, ihre Stellung und vielleicht sogar ihren Wohlstand aufs Spiel setzten. Und tatsächlich verloren sie ihren Wohlstand, denn sie gaben viel Geld für den Herrn aus. Zuerst lösten sie seinen Leib aus, denn er gehörte den Wächtern, denen, die ihn gekreuzigt hatten. Sie kauften das Leinentuch, ein sehr teures Leinentuch, das wir Gott sei Dank heute als wunderbares Zeugnis dieser Zeit besitzen. Wir wissen, dass sie diese Myrrhe kauften, 200 Litern – nun, das sind nicht unsere Liter, sondern eine besondere Maßeinheit für Wohlgerüche jener Zeit. Aber auch das kostete sehr viel Geld.

Und schließlich schenkte Josef dem Herrn sein Grab, in das noch niemand gelegt worden war. Ein neues, in den Fels gehauenes Grab. Das ist eine riesige Höhle. Das ist ein Vermögen. So etwas konnten sich nur sehr reiche Familien leisten. Und er schenkte dem Herrn dieses Grab, indem er auf alle Rechte daran verzichtete, denn wenn ein Mensch dort beigesetzt wird, geht das Recht an diesem Grab auf seine Angehörigen über. Die Eigentümer verlieren dann jedes Recht.

Wir verstehen also, dass diese Menschen ebenfalls dienten, ohne jede Hoffnung auf die Zukunft, ohne etwas dafür zu erwarten. Einfach deshalb, weil sie verstanden, dass sie es tun mussten.

Darum ist es wirklich heute das Fest der Treue des menschlichen Herzens. Und auch wir gehen sehr oft auf dieselbe Weise zum Herrn und verstehen, dass der schwere Stein unseres Lebens, unseres Erbes, unserer Sünden uns daran hindert, zum Herrn zu kommen. Und unsere ganze Hoffnung ist auf den Herrn gerichtet, dass er diesen schweren Stein unseres leidenschaftlichen Lebens vom Eingang des lebensspendenden Grabes des Herrn wegwälzen wird, jenes Grabes, das allein uns Leben geben kann.

Wir verstehen, dass auch diese Myrrhenträgerinnen nicht mit leeren Händen gingen. Sie brachten mit, was sie konnten. Sie brachten Myrrhe, also eine wohlriechende Salbe, um den Begräbnisritus jener Zeit und jenes Ortes fortzusetzen, an dem sie lebten. Bis zum dritten Tag durfte man das Grab besuchen und vielleicht das Fehlende ergänzen.
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Sie sahen, wie die Männer alles irgendwie grob erledigt hatten, und sie verstanden, dass man es zu Ende bringen musste. Auch das ist ein Bild dafür, wie wir zum Herrn gehen sollen. Nicht nur bitten, bitten, bitten. Sondern: Was bringst du mit? Was bist du bereit, dem Herrn zu geben? Welche Regungen deiner Seele? Welche Entschlossenheit? Welche guten Werke hast du, um sie dem auferstandenen Herrn zu bringen?

Damit wir, sehen Sie, die Kühnheit empfangen, jene Worte des Auferstandenen zu hören, die er heute an die Frauen richtet: „Freut euch.“ Dieses Wort erklang dort, wo es keinerlei Grund zur Hoffnung und Freude gab. Aber der Herr selbst spricht es aus, der den Tod besiegt hat, für sie, für alle Menschen, und uns das ewige Leben geschenkt hat. Er hat die Macht, zu uns zu sagen: „Freut euch.“ Und er sagt heute auch zu uns: „Freut euch und fürchtet euch nicht“, wenn wir manchmal keinen Grund zur Freude sehen.

Wir sehen, dass die Welt, in der wir leben, vom Bösen erfüllt ist, dass sie sich selbst mit schrecklicher Kraft und Geschwindigkeit zerstört. Wir verstehen, dass, wenn man nur auf das schaut, was geschieht, einen nur kalter Schrecken gefangen nehmen kann. Aber der Herr sagt weiterhin zu uns: „Freut euch und fürchtet euch nicht.“ Das sind die Worte des Herrn an die Myrrhenträgerinnen. Und dieselben Worte bringt der Herr heute auch in unser Herz: Freut euch und fürchtet euch nicht, denn die Welt liegt im Bösen, aber seid guten Mutes, denn ich habe die Welt überwunden, sagt der Herr zu uns.

Darum kann der Mensch, der mit dem Herrn lebt, nichts fürchten. Er versteht, dass der Herr weiterhin in dieser Welt wirkt und für sie sorgt. Und so betet er, wie er im Garten Gethsemane betete: „Verlass sie nicht, Herr“, zu seinem himmlischen Vater. So betet und sorgt er weiter und bedeckt jeden von uns mit seinem barmherzigen Schutzmantel.

Bitten wir also den Herrn um Weisheit, damit wir nicht in Eitelkeit, in Bosheit, in dieses schreckliche Gereiztsein der sündigen Welt versinken. Nicht in jene Angst, mit der sie sich selbst umhüllt. Damit wir nicht von diesen Nachrichten leben, sondern von der guten Nachricht, der Frohen Botschaft, dem Evangelium des Herrn, das eine Verkündigung von Freude, Hoffnung und Liebe ist, vor allem der himmlischen Liebe uns gegenüber, damit wir wenigstens teilweise auf diese uns erwiesene Liebe antworten können. Der Herr behüte euch. Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden!

Und jetzt, liebe Freunde, werden wir mit dem Kreuzgang um die Kirche gehen. Wir tun das, damit wir uns selbst als jene schwachen, zerbrechlichen, aber treuen Frauen und Männer jener schrecklichen Nacht empfinden. Der Herr behüte euch, mit dem Fest. Jetzt gehen wir hinaus.
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Christus ist auferstanden!
Liebe Brüder und Schwestern!
Eines Tages kamen Gemeindemitglieder zu mir und wiesen mich auf junge Leute hin, die begannen, die Kirche zu besuchen – jedoch ohne den „orthodoxen Dresscode“. Jemand trug Jeans, einige der Mädchen trugen zu freizügige Kleidung oder kurze Röcke.
Und das Gespräch drehte sich, wie so oft, nicht darum, dass diese jungen Menschen überhaupt zu Christus gefunden haben. Nicht darum, dass sie anstelle von Clubs und Diskis lange Gottesdienste miterleben. Nicht darum, dass dies vielleicht ihr erster Schritt zu Gott ist.
Das Gespräch drehte sich um etwas anderes:
„Darf man so überhaupt den Tempel betreten?“
Um der Gerechtigkeit willen muss man sagen: Die kirchliche Tradition kennt in der Tat eine gewisse Kultur des äußeren Erscheinungsbildes. Sie hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Männer kommen ordentlich und zurückhaltend gekleidet in die Kirche, Frauen ebenso bescheiden und ehrfürchtig. Daran ist nichts auszusetzen – das Äußere kann auch das Innere erziehen.
Doch ich ertappte mich bei dem Gedanken:
Wenn man uns das Recht gäbe, Menschen nach äußeren Merkmalen auszusortieren, würden unsere Kirchen wahrscheinlich um mindestens ein Viertel leerer werden.
Und die entscheidende Frage ist nicht einmal das.
Braucht Christus das?
Heute hören wir im Evangelium die wunderbaren Worte des Erlösers:
„Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37).
Dies ist das große Geheimnis der Kirche:
Jeder Mensch, der beginnt, Gott zu suchen, ist bereits auf irgendeine Weise von Christus gerufen worden.
Ja, er mag vielleicht noch nichts verstehen.
Er mag sich falsch bekreuzigen.
Er mag völlig „unkirchlich“ aussehen.
Er mag anders sprechen und leben.
Aber sein Herz bewegt sich bereits auf Christus zu.
Und wenn dieser Mensch in der Kirche bleibt, wird sich nach und nach alles ändern:
der Blick,
das Leben,
das Gebet,
die Haltung zum Heiligtum
und sogar das äußere Erscheinungsbild.
Wir hingegen, die wir schon lange in der Kirche sind, sollten uns vor etwas anderem fürchten – nicht vor kurzen Röcken und Jeans, sondern vor unserer eigenen geistlichen Gewöhnung.
Man kann jahrelang in die Kirche gehen und verlernen zu beten.
Man kann die Gebetsregel lesen, ohne sich wirklich an Gott zu wenden.
Man kann immer dieselben Sünden beichten und aufhören, wahrhaftig zu bereuen.
Man kann äußerlich fromm aussehen und innerlich längst erkaltet sein.
Hilf uns, Herr – und in erster Linie mir –, dass wir, nachdem wir zu „professionellen Christen“ geworden sind, den lebendigen Glauben nicht verlieren.
Dass wir im Gebet vor der Kommunion nicht nachlassen.
Dass wir die Beichte nicht in eine formale Erzählung verwandeln.
Dass wir nicht glauben, unsere langjährige Zugehörigkeit zur Kirche entbinde uns von jenen geistlichen Anstrengungen, die wir von den Anfängern erwarten.
Denn der Weg zu Christus beginnt nicht mit der richtigen Kleidung.
Und leider endet er auch nicht mit ihr.
Wahrhaftig auferstanden ist Christus!
Erzp. Dionisij Idavain
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